Pater Laurentius OP

Pater Laurentius OP

Langzeitwirkung durch Reisesegen

Ich packe meinen Koffer … ein beliebtes Kinderspiel. Aber richtiges Reisen will gelernt sein, um sich nicht zu enttäuschen. Im menschlichen Handeln ist die „Absicht“ der Schlüssel des Erfolges. Will ich die Welt sehen? Will ich mich an einem anderen Ort hoffentlich entspannt sehen? Will ich die Reise als Wendepunkt für ein „danach ganz anders“? Antworten dieser Fragen gehören mit in den Koffer. Das Schöne, sie nehmen materiell keinen Platz weg, und sind dennoch zeitfressender als noch einmal eine Hose durchzuwaschen. Wer in falscher oder überfrachteter Absicht losfährt, enttäuscht sich mehr am Andersort… und das wäre schade.
Für mich gehört elementar zum Leben auf dem Weg der Zuspruch, dass dieser Weg gut gelingen möge, denn Gefahren und Missverständnisse lauern an jeder Ecke… leider. Ein schlafender Busfahrer, ein LKW, der schnell rüberzieht auf der Autobahn, die eigene Unachtsamkeit beim Einstieg in die Bahn, die Arglosigkeit beim Kontakt mit dem Anderen, der zu 99 Prozent mir Gutes will, aber es gibt auch den Einprozentigen, der mir übel mitspielt. Ich vertraue als Geschöpf Gottes auf den Wegzuspruch im Alltag und vor der Reise. Und diesen Zuspruch nennt die religiöse Tradition seit uralten Zeiten Segen!
Da steckt vom Lateinischen Benedicere her, das „Gutes Zusprechen“ drin. Ich empfange vom Höheren Wesen die Zusage, dass er mir Wegbegleiter ist, aber wie es immer bei Wegen und Distanzen ist, brauche ich nicht nur den guten Kompass und das Navi, also das ausserhalb von mir Existierende, sondern ich muss auch selbst gut gerüstet sein. Ich brauche Ausgeschlafenheit, gute Wanderschuhe, den Blick in den Spiegel vor der Reise mit dem leisen Versprechen, dass ich mit mir achtsam umgehen will. Und der Spiegelblick hat noch was Versprechendes. Ich sollte mir ins Angesicht sagen, dass ich mich nicht überfrachten will mit touristischen Highlights in Nähe und Ferne, sondern dass ich auch auf Alltägliches achten will. Dann mag das nachdenkliche Lächeln der Fahrstuhlführerin beim Fernsehtower bedeutender sein, als der Fernblick über ganz Toronto. Alles Wirkliche im Leben ist Begegnung, sagt Buber!
Als Priester im Orden, zumal als dominikanischer Wanderprediger kenne ich, und das freut mich, Menschen, die uns ganz bewusst aufsuchen, um einen Segen für das Weitergehen zu bekommen. Ich bin dann nur „Medium“ für das Größere und lerne oft von diesen pilgernden Menschen. Ich erinnere mich an eine ehemalige Managerin, die auf dem Martinspilgerweg war, von Ungarn nach Frankreich und bei uns im Wormser Kloster Unterkunft fand. Sie wollte Segen für das Weiterkommen – übrigens ohne Geld und Handy. Sie war auch Segen für uns, auch mich daran zu erinnern, dass es „Mehr“ gibt als unsere scheinbaren Abgesichertheiten! Auf Reisen und Wegen kann Gott im Zuspruch durch Mitmenschen mir mehr Lunchpaket sein, als das sorgsam ausgeklügelte Reisesetting. Gehen Sie mal Ihre letzten Reisen in Gedanken durch? Ist vielleicht eine Erfahrung dieser Art mehr hängengeblieben als das Selfie vor dem Eiffelturm? Kontakt per eMail

Pater Laurentius Höhn OP Novizemeister
Dominikanerkloster St. Paulus
Paulusplatz 5
67547 Worms
+49 (0)6241 920 40 17
www.dominikaner-worms.de

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